Liebe Leserin, lieber Leser,

viele Gebäude oder Bauwerke aus früherer Zeit sind verschwunden oder haben sich stark verändert. Ein Spaziergang in die Vergangenheit der letzten 120 Jahre zeigt diesen Hergang, der insbesondere durch das Kriegsgeschehen einen Höhepunkt erreichte.

 

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Ihr Henning Stoffers


Bauwerke der Vergangenheit - Eine Zeitreise

Baugewerkschule am Eingang der Weseler Straße. Heute steht dort die Handwerkskammer.
Baugewerkschule am Eingang der Weseler Straße. Heute steht dort die Handwerkskammer.

Mittelalter und Beginn der Neuzeit

Stadtplan 1850
Stadtplan 1850

Die Stadt Münster lag fast ein Jahrtausend innerhalb des Befestigungsringes, der späteren Promenade. In diesem engumgrenzten Umfeld fand die gesamte Bautätigkeit statt. Kriegerische Ereignisse oder verheerende Brände führten zwangsläufig zu besonderen Bauaktivitäten.

Aber auch die in den Epochen sich wandelnden Baustile und der Abriss von baufälligen Gebäuden und deren Wiederaufbau veränderten das Stadtbild. Dies wird am Beispiel des Neubaus des Lamberti-Kirchturms besonders deutlich. Der alte Turm musste wegen der Einsturzgefahr abgerissen und neu - in einem anderen Baustil - errichtet werden. - Alte Stiche dokumentieren darüber hinaus die Veränderungen der Silhouette Münsters über Jahrhunderte hinweg.

Der Drubbel vor dem Abriss 1906/1907
Der Drubbel vor dem Abriss 1906/1907

Bis Mitte des 19. Jahrhunderts prägten hauptsächlich mittelalterliche Bauten das Stadtbild. Die barocken Prunkbauwerke kamen erst im 18. Jahrhundert hinzu: unter anderem das Schloss der Fürstbischöfe, die Clemenskirche, der Erbdrostenhof.

Der alte Drubbel - eine mittelalterliche Ansammlung kleiner Häuser auf engestem Raum - musste nach einem Brand aus vorgeschobenen pragmatischen Gründen weichen, um für den anwachsenden Straßenverkehr Platz zu schaffen.

Münsters 2. Bahnhof um 1900
Münsters 2. Bahnhof um 1900

Wachstum ab 1850

Das Regierungsgebäude am Domplatz
Das Regierungsgebäude am Domplatz

Mit dem Bau eines Bahnhofs außerhalb des Promenadenringe begann 1848 eine stürmische Entwicklung. Der Dortmund-Ems-Kanal wurde gebaut, der Stadthafen mit seinen gewerblichen Ansiedlungen entstand, viele neue Kasernen, Behörden und Verwaltungen  richteten sich ein. Eine Gebietsreform im Jahre 1875 kam hinzu. Die Einwohnerzahl hatte sich von 18.000 (1848) auf 100.000 (1914) Einwohner mehr als verfünffacht.

Die Landesbank an der Friedrichstraße-Warendorfer Straße
Die Landesbank an der Friedrichstraße-Warendorfer Straße

Mit dem rasanten Wachstum der Stadt - insbesondere außerhalb der Promenade - ging eine immense Bautätigkeit einher. Es entstanden am Reißbrett neue Straßenzüge und Stadtviertel. Es wurden Wohnhäuser, Schulen, Krankenhäuser, Kasernen usw. gebaut. Aber erst Ende des 19. Jahrhunderts erhielten die Häuser Anschluss an die zentrale Wasserversorgung und die Abwasserkanalisation.

An der Bahnhofstraße entstand das Verwaltungsgebäude der Reichsbahndirektion, die zeitweise zu den größten Arbeitgebern Münsters zählte.

Kriegszerstörungen

Antoniuskirche 1945
Antoniuskirche 1945

Die Bomben des Krieges haben in kürzester Zeit viele jahrhundertealte Gebäude vernichtet. Etliche Stadtviertel wurden dem Erdboden gleichgemacht. Allein die Beseitigung der Trümmer stellte in den ersten Nachkriegsjahren eine besondere Herausforderung dar.

 

Der Prinzipalmarkt - es war kaum ein Stein auf dem anderen geblieben - ist bis auf wenige Häuser in Anlehnung an den alten Baustil neu aufgebaut worden. - Ohne die detaillierten Beschreibungen und Pläne von Professor Max Geisberg wäre es nicht möglich gewesen.

Wiederaufbau

Einige historische Baudenkmale konnten weitgehend originalgetreu wieder errichtet werden, wie zum Beispiel das Rathaus oder der Erbdrostenhof.

Beim Schloss ist lediglich die Fassade wiederhergestellt worden. Im Inneren - ein schlichter Zweckbau - zeugt nichts mehr von vergangener Pracht.

 

In den Nachkriegsjahren wurden aus heutiger Sicht auch falsche Entscheidungen hinsichtlich des möglichen Erhalts bzw. der Wiederherstellung von Gebäuden getroffen. Aber die Zeiten waren schwierig, und der Wiederaufbau erfolgte unter schwersten Bedingungen und Zwängen, so dass Bausünden nicht ausbleiben konnten.

Alter Steinweg um 1975
Alter Steinweg um 1975

Hauptsächlich in den 1950er Jahren wurden etliche Neubauten in aller Eile - schlicht und zweckmäßig - hochgezogen, die nach wenigen Jahren anderen wieder weichen mussten. Ein Beispiel ist der Karstadt-Bau am Alten Steinweg.

1958: Südstraße 100 - Foto Claus-Peter Kuehn
1958: Südstraße 100 - Foto Claus-Peter Kuehn

Heute steht an dieser Stelle die Stadtbibliothek. Oder der schöne Nachkriegsbau des kriegszerstörten Konsistoriums am Domplatz ist zu nennen, der im Zuge des Neubaus der Bezirksregierung nach nur wenigen Jahren wieder abgerissen wurde.

 

Das Haus Südstraße 100, mein Elternhaus in den 1950er Jahren, stand nur wenige Jahre und musste im Zuge der Anlegung des Südparks weichen.

...und der Wandel geht weiter

Dem steten Wandel begegnen wir auch heute auf Schritt und Tritt.

So sind von der alten Germania-Brauerei nur noch einige Gebäudeteile - Dank Denkmalschutz - erhalten geblieben. Das Nachkriegsgebäude der Deutschen Bank an der Voßgasse wurde durch einen Neubau ersetzt.

Der Sparkassenbau zwischen  Ludgeristrstaße und Königsstraße musste den Münster-Arkaden weichen. Das LWL-Museum am Domplatz bekam nach einem Teilabriss einen repräsentativen Neubau.

 

Die Aufzählung lässt sich fortsetzen... Und in 100 Jahren wird vielleicht wieder darüber geschrieben werden, was sich in dieser Zeitspannes alles geändert haben wird.

Bilderschau - Münsters Gebäude vor etwa 100 Jahren

Die meisten gezeigten Gebäude existieren nicht mehr. Von der alten Landesbank ist nur die Fassade erhalten geblieben, das Domportal ist einer ,modernen Interpretation' gewichen und das damalige Amtsgericht wirkt heute fremd.

Für diese Bilderspaziergang stehen Ihnen verschiedenen Funktionen zur Verfügung.

Probieren Sie es einfach aus.


Quellen

Idee und Text: Henning Stoffers

Bilder (soweit nicht anders angegeben): Sammlung Henning Stoffers