Liebe Leserin, lieber Leser,

in zwei Folgen stehen Menschen aus Münster im Mittelpunkt. Es sind Fotografien aus dem Alltags-, Familien-, dem Vereins-, dem Arbeitsleben und aus weiteren Lebensbereihen. Die Bilder umfassen eine Zeitspanne von mehr als 100 Jahren. Einige wenige Aufnahmen stammen nicht aus Münster, sie wurden aber von münsterschen Fotografen gemacht.

 

Die bildreiche Zeitreise  führt Sie in Münsters Vergangenheit. Teil 2 folgt im nächsten Monat.

 

Ihr Henning Stoffers


Münstersche Menschenbilder - Teil 1

Waschtag um 1942
Waschtag um 1942

Familiäres

Stolz neben dem neuen Opel Kapitän in der York-Kaserne Gremmendorf Ende 1950er
Stolz neben dem neuen Opel Kapitän in der York-Kaserne Gremmendorf Ende 1950er

Das Fotografieren war in jenen Jahren nichts alltägliches. Die Personen der Innenaufnahmen zeigen sich mehr oder weniger statisch positioniert der Kamera zugewandt. Im Moment der Aufnahme war Bewegungslosigkeit erforderlich, um Unschärfen der späteren Bilder zu vermeiden, und so wirken die Menschen in ihrer Starrheit wie ,eingefroren'.

 

Es sind Fotografien aus dem Familienleben. Die bis zu 80 Jahren alten Bilder zeigen Festlichkeiten wie Weihnachten, 1. Hl. Kommuion, Heirat oder geselliges Beisammensein bei einem Glas Wein oder einem Ausflug an den Dortmund-Ems-Kanal. Und dass zu einer Familie vier, fünf oder mehr Kinder gehörten, war keine Besonderheit.

Kirchliches

Prozession um 1946
Prozession um 1946

Kirchliche Prozessionen und Beerdigungen fanden unter großer Beteiligung der Bevölkerung statt. Prächtige Hausaltäre richteten die Bewohner einer Straße liebevoll ein. Außergewöhnlich war es auch nicht, das Bild des aufgebahrten Bischofs als Postkarte zu verschicken.

 

Im öffentlichen Raum hatte das kirchliche Leben deutlich mehr Anteil als heute.

In der Clemenskirche
In der Clemenskirche

Berufsleben

Im Büro Anfang 1940er Jahre
Im Büro Anfang 1940er Jahre

Im Berufsleben waren die Rollen in der Regel festgelegt: Die Frau war mit der erforderlichen Genehmigung des Ehemannes Verkäuferin, Haushaltshilfe, Köchin oder Bürokraft, sofern sie nicht als Hausfrau daheim für Haus und Familie sorgte. Die Männer hatten ihre Zuständigkeit mehr für das ,Handfeste', das Kaufmännische und die ,höheren' Aufgaben. Helme oder Schutzkleidung wurde von den Arbeitern noch nicht getragen. Die Angestellten trugen Anzug mit weißem Hemd und dezenter Krawatte. Zur feinen Gesellschaft gehörten zum Beispiel die Offiziere der britischen Armee.

 

Hintergründe zum letzten Bild konnte ich nicht ausfindig machen. Für Hinweise bin ich dankbar.

Büro einer Installationsfirma 1950
Büro einer Installationsfirma 1950
Bäuerlicher Protest gegen Wucher, Preistreiber und Schwarzarbeit? ,Auf Gunst gut schmieden ist eine Kunst' - Hintergründe sind nicht bekannt.
Bäuerlicher Protest gegen Wucher, Preistreiber und Schwarzarbeit? ,Auf Gunst gut schmieden ist eine Kunst' - Hintergründe sind nicht bekannt.

Alltag

Taubenfütterung um 1990
Taubenfütterung um 1990

Die ersten vier Aufnahmen von dem Lehrer Ernst Wenzel zeigen das bäuerliche Leben der 1940er Jahre. Es folgen Bilder des städtischen Alltags.

 

Besonders interessant ist die Aufnahme des Hauses in der Aegidiistraße-Ecke Mühlenstraße. Menschen stehen zum Einkaufen an, rechts ist die alte Gasolin-Tankstelle zu erkennen.  Daneben ein Foto, das 70 Jahre später gemacht worden ist.

Stadtmusikanten aus Peru um 1990
Stadtmusikanten aus Peru um 1990

Vereinsleben

Schützenkönig Kiepenkerlwirt Bernhard Zander mit Gefolge - Alte Herren Preußen Münster 1952
Schützenkönig Kiepenkerlwirt Bernhard Zander mit Gefolge - Alte Herren Preußen Münster 1952

Die Zugehörigkeit zu einem Verein oder auch mehreren Vereinen waren über eine lange Zeit eine Selbstverständlichkeit, Teil der Freizeitgestaltung und wichtiger sozialer Faktor fürs Zusammenleben. Die Einwohnerbücher früherer Jahrzehnte dokumentieren die Vielfalt und Vielzahl der Vereine. Im Vergleich zu heute ist eine deutlicher Rückgang dieser Vereinigungen festzustellen.

 

Viele der Schützenvereine, Bruderschaften, Karnevalsvereine, Sportvereine, Beamtenvereine, Reservistenvereinigungen, Blaukreuzvereine, Geselligkeitsvereine, Gesangsvereine usw. existieren heute nicht mehr oder haben nur noch eine geringe Mitgliederzahl. Die Gründe hierzu liegen klar auf der Hand: Neue Medien wie das Fernsehen und das Internet haben zu tiefgreifenden Änderungen geführt.

Das Einwohnerbuch von 1909 führt allein auf sieben Seiten die verschiedenen Vereine auf.
Das Einwohnerbuch von 1909 führt allein auf sieben Seiten die verschiedenen Vereine auf.

Quellen

Text und Idee: Henning Stoffers

Fotos: ULB Münster, Norbert Muddemann†, Alte Pauliner vertreten durch H.P. Boer, Steffi Stephan, Ernst Wenzel†, Alfred Kaup†, Hanns Eckelkamp, Andrea Weil u.a.