Liebe Leserin, lieber Leser,

in meinem Archiv verstecken sich etliche interessante Dinge aus Münsters Vergangenheit. So ist man immer wieder erstaunt, wie aktuell alte Vorgänge auch heute noch oder wieder sind.

 

Zusammengestellt habe ich Besonderheiten, Skurriles und Bemerkenswertes aus den letzten 200 Jahren. Und wie der Titel erahnen lässt, gibt es demnächst eine Fortsetzung.

 

Viel Vergnügen beim Stöbern wünscht Ihnen

 

Ihr Henning Stoffers


Fundsachen 1 - Bemerkenswertes

Tanzschule und Schlussball


Im Alter von 16-17 Jahre war es in den 1950-60er Jahren an der Zeit, eine Tanzschule zu besuchen. Zur Wahl standen u.a. die Tanzschulen Charly Zimmermann, Eugen Wichtrup, Stefan Bernàd oder Werner Estinghaus. Das Reglement einer Tanzstunde war streng und genau festgelegt. Aber dies wurde gern inkauf genommen, konnte man doch auf diesem Wege erste Kontakte zum anderen Geschlecht knüpfen. Und so entstanden oftmals Freundschaften sowie hin und wieder auch lebenslange Partnerschaften.

 

Falls sich eine Dame vom damaligen Schlussball auf der Tanzkarte wiederfinden sollte, möge sie sich bei mir melden. Toni B. konnte ich bereits eine Kopie dieses Dokumentes zur Verfügung stellen.

Nikolaus 1901

Diese Karte ging 1901 in die Wehrstraße (zwischen Moltkestraße und Am Kanonengraben) in Münster.

 

Das Bild dürfte von einem Erwachsenen stammen, der es in kindlicher Marnier für sein Enkelkind zeichnete.

20.8.1932 MZ- Rüpelhaftes Benehmen

Dass sich die Radfahrer und Radfahrerinnen bereits in den 1930er Jahren nicht immer rücksichtsvoll verhielten, war auch damals schon ein Thema und eine Zeitungsmeldung wert.

Wohnungswechsel im Kreuzviertel

So zeigte man seine neue Adresse an...
So zeigte man seine neue Adresse an...

Dr. Rudolf Uebe war Historiker und Assistent bei Prof. Max Geisberg. Als Kriegsteilnehmer erlitt er eine schwere Lungenverletzung, an der er kurz nach dem Umzug in die neue Wohnung verstarb. Seine Frau JoHa arbeitete ebenfalls für Geisberg. Sie las Korrektur der Buchmanuskripte für die 6 Bände 'Die Stadt Münster'.

Amtsblatt 1822: Ausweisung von Landstreichern

Zu den Vagabunden - also Menschen ohne festen Wohnsitz - gehörten Randgruppen der Gesellschaft. Meistens waren es Gaukler, Bärenführer, Artisten, Jenische, Sinti und Roma. Die 19 nachstehenden Personen wurden an verschiedenen Orten festgenommen und nach einer halbjährigen ,Sitzzeit' im Landarmenhaus des Landes verwiesen. Man notierte genauestens die individuellen Personenmerkmale. Eine Frau hatte als ,Kennzeichen' das Beisein eines dreijährigen Knaben.

Inflation in Münster

10 Milliarden Mark für ein Wochenabo des Münsterischen Anzeigers, heute Münstersche Zeitung.

Besonders freundlich ist die Rechnung nicht gehalten, ist sie doch sehr amtlich.

Froschkonzert

Papst Leo XIII.


Froschkonzert

Mit viel Liebe zum Detail wurde diese Postkarte gezeichnet: Die Frösche sind mit feinster Feder skizziert und anschließend mit Buntstiften koloriert worden. Die Schrift ist fast mikroskopisch klein und  so zierlich, dass sie nur mit einer Lupe entziffert werden kann.

Der Papst statt Münster-Motiv

Dar Absender Wilhelm arbeitete in Münster und schickte seiner Liebsten und späteren Frau fast täglich eine Postkarte. Luischen wohnte im Lippischen. Und da ihm mit der Zeit die Münster-Motive ausgingen, gab's auch mal eine Papstpostkarte.


Postkarte aus Holz

Schier unglaublich, dass damals diese Postkarte transportiert worden ist. Sie ist aus Sperrholz gefertigt und ca. 4 mm dick. Die Abbildung des Rathauses und die Verzierungen sind ins Holz eingebrannt, wie auch die Adresse auf der Rückseite.

Die sogenannten Holzbrandkarten wurden damals auch als schlichte Papierimitate vertrieben.

1946 - Ein Zeitdokument - mit Zensurstempel

Die Absenderin schreibt:

Münster d. 21.3.46

Liebe Ulli!
Ich danke Dir vielmals für Deine Karte. Hast Du meinen Brief schon erhalten? - Heute ist hier wunderbares Wetter, sommerwarm, warmer Südwind usw. Ich habe keine Lust zum Arbeiten, ich möchte jetzt Paddeln!!! - Aber die Russen, Amis u. Deutschen haben im Sommer aller Boote geklaut. - Vorigen Sonntag kam der münstersche Bischof, Graf von Galen, der in Rom zum Kardinal erhoben wurde, zurück. Zehntausende u. aber zehntausende von Menschen haben ihn umjubelt. Es war ganz toll. Der Bischof ist sehr deutschbewußt.

Clemens August Kardinal von Galen

Albert Mazzotti, münsterscher Bildhauer, fertigte die Totenmaske des 1946 verstorbenen Clemens Ausgust Kardinal von Galen. Ebenfalls schuf er Gedenkmedaillen, wie zum Beispiel die hier abgebildete Plakette von 1946. Sie wurde aus Kohlekeramik hergestellt und hat einen Durchmesser von 16 cm.

 

Der Werkstoff Kohle wird aufs feinste zermahlen und mit einem Bindemittel in eine Metallform gepresst und bei hoher Temperatur gebrannt. Das Ergebnis zeichnet sich durch hohe Feinheit, Festigkeit und Härte aus und eigent sich bestens für die Wiedergabe feinster Konturen. Dies ist bei der Galen-Medaille sehr gut gelungen.

Für die freundliche Unterstützung danke ich Dr. Bernd Thier vom Stadtmuseum.

September 1822: Vermischte Nachrichten

Der September 1822 war witterungsmäßig angenehm, zur rechten Zeit kam der erhoffte Regen. In Münster und Umgebung gab's eine Scharlachepidemie. Neben Bränden wurden verschiedene Todesfälle gemeldet: Ein Kind ertrank in einer Mistpfütze, ein anderes wurde durch siedende Milch verbrannt und ein drittes durch einen Unglücksfall getötet. Es gab einen Todessturz von einem Boden und ein Straßenräuber tötete den Überfallenen. Auch eine Selbsttötung wurde gemeldet.

Der OB lädt zu Kaffee und Kuchen

Es ist anrührend, wie in dieser Einladung auf ältere Menschen und auch Mütter Rücksicht genommen wird.
Es ist anrührend, wie in dieser Einladung auf ältere Menschen und auch Mütter Rücksicht genommen wird.

Jubiläum eines Regimentes

Das 25jährige Jubiläum des 22. Artillerie-Regiments war im Jahre 1897 Anlass genug, eine Ansichtskarte herauszugeben. Die preussischen Kanonen in jener Zeit trugen die gusseiserne Aufschrift: ,Ultima ratio regis' (Das letzte Mittel des Königs). Dieser Spruch wurde für diese Postkarte übernommen, wie auch ,Pro gloria et patria' (Für Ruhm und Vaterland).