Liebe Leserinnen und Leser,

ein Bischof lässt sich ein prächtiges Gebäude bauen; nicht in Limburg, sondern in Münster - und das liegt mehr als 200 Jahre zurück: Das fürstbischöfliche Schloss.

 

Wie es dazu kam und was in der Folgezeit geschah, lesen Sie in dieser Bildgeschichte.

 

Ihr Henning Stoffers


Das Schloss

Bischöfe Präsidenten Generale - Studenten

Friedrich Hundt um 1870 - Die Ulmenallee wurde bei Errichtung des Wilhelm I.-Denkmals gefällt.
Friedrich Hundt um 1870 - Die Ulmenallee wurde bei Errichtung des Wilhelm I.-Denkmals gefällt.

Die Anfänge

Stadtplan von 1839 - 6222.284.15
Stadtplan von 1839 - 6222.284.15

Im vorgelagerten westlichen Bereich der Stadt lag die Zitadelle Paulsburg. Diese Befestigungsanlage errichtete Fürstbischof Christoph Bernhard von Galen.

 

Unter dem Freiherrn von Fürstenberg, Minister beim Fürstbischof Maximilian Friedrich, wurde die gesamte Befestigungsanlage geschleift. Eine großzügige Schlossanlage sollte insbesondere auf Wunsch des münsterschen Adels entstehen, der auch die Finanzierung übernahm. Man versprach sich auch die Ankurbelung der heimischen Baugewerbes - ein schöner Nebeneffekt.

Ausschnitt Stadtplan 1864
Ausschnitt Stadtplan 1864

Der münstersche Fürstbischof Maximilian Friedrich war zugleich Erzbischof und Kurfürst von Köln. Er sollte durch ein repräsentatives Schloss mehr an Münster gebunden werden. Dies wird insofern nachvollziehbar, zumal die Fürstbischöfe seit 1661 im wenig eindrucksvollen Fraterhaus am Krummen Timpen residierten.

Das Schloss um 1930
Das Schloss um 1930

Johann Conrad Schlaun und das Schloss

Schlaun-Plastik in Nottuln von Rudolf Breilmann
Schlaun-Plastik in Nottuln von Rudolf Breilmann

Schlaun, einer der bedeutendsten Architekten des deutschen Barocks, bekam den Auftrag sowohl für den Schlossbau als auch für die Außenanlagen. Es sollte eine in sich geschlossene Konzeption sein.

 

Sein Plan sah vor, an beiden Seiten der langgestreckten Dreiflügelanlage des Schlosses Marställe (Pferdeställe) zu setzen. Der Platz vor dem Schloss sollte mit großen Rasenflächen und gärtnerischen Anlagen ausgestattet werden. Ganz vorn waren zwei Wachhäuser vorgesehen, die ,Kavaliershäuser'. Für den hinteren Teil des Schlosses wurde eine Gartenanlage nach französischem Muster geplant. Wenige Jahrzehnte später entstand an dieser Stelle der Botanische Garten.

 

Johann Conrad Schlaun war bereits 72 Jahre alt, als er 1767 mit dem Bau begann.

Der Eingang
Der Eingang
Schlosskapelle - Michaeliskapelle
Schlosskapelle - Michaeliskapelle

Die Baumaterialien für das Schloss sind hauptsächlich ein roter Backstein und der helle Baumberger Sandstein. Die Verwendung des heimischen Sandsteins verdichtet sich zur Mitte des Schlosses und betont eindrucksvoll den zentralen Bereich.


Das wunderschön gestaltete Eingangsportal ermöglichte den Blick in den rückwärtig liegenden Garten. - Die Michaeliskapelle wurde 1779 vom Domhof in das Schloss verlegt. Sie reichte in der Höhe durch zwei Stockwerke. Zentraler Mittelpunkt war das Altargemälde von Tischbein.

Veränderungen

1773 starb Schlaun. Fertiggestellt waren der Hauptbau bis auf den inneren Ausbau, der nördliche Marstall und das nördliche Wachhaus.

 

Nach Schlauns Tod übernahm Wilhelm Ferdinand Lipper den Weiterbau.

 

Fürstbischof Maximilian Friedrich starb ein Jahr nach Schlaun und erlebte ebenfalls nicht mehr die Fertigstellung des Schlosses. Sein Nachfolger wurde Maximilian Franz von Österreich. Er war ebenfalls Fürsterzbischof von Köln und hielt sich wie sein Vorgänger nur wenig in Münster auf.

Der Fürstensaal mit den Portraits der letzten Bischöfe in Lebensgröße
Der Fürstensaal mit den Portraits der letzten Bischöfe in Lebensgröße

Fertigstellung unter Wilhelm Ferdinand Lipper

um 1930
um 1930

Statt des von Schlaun vertretenen barocken Baustils bevorzugte Lipper einen klassizistischen. Er drängte darauf, Schlauns Plan entsprechend zu ändern. Seine Vorstellungen konnte er beim Innenausbau durchsetzen. Gleiches galt auch für den Garten hinter dem Schloss, der nunmehr nicht mehr nach französischer sondern nach englischer Stilrichtung entstand. Vielleicht spielte hierbei auch das Geld eine Rolle, denn die englische Version war preiswerter.

 

Das südliche Wachhaus wurde gebaut, jedoch nicht mehr der südliche Marstal.

 

Nach 20jähriger Bauzeit konnte das Residenzschloss 1787 fertig gestellt werden.

Der ovale Saal - Festsaal
Der ovale Saal - Festsaal

Die Schlossbewohner und das Denkmal

Oft wird Fürstbischof Maximilian Franz von Österreich in seinem neuen Residenzschloss nicht genächtigt haben. Anfang des 19. Jahrhunderts endete die Ära der Fürstbischöfe. Das fürstbischöfliche Schloss hatte somit seine zugedachte Funktion verloren.

 

Als erste Bewohner des Schlosses waren 1803 Freiherr vom Stein - er kümmerte sich um die Neustrukturierung Westfalens - und der General Blücher. Nach den Wirren der französischen Besetzung war das Schloss Dienstsitz der jeweiligen preussischen Oberpräsidenten der Provinz Westfalen und der kommandierenden Generale.

Militärische Vorführung um 1935
Militärische Vorführung um 1935

1897 wurde ca. 30 Meter vor dem Schlosseingang ein Denkmal zu Ehren Kaiser Wilhelm I. errichtet. In diesem Zusammenhang musste die von der Schlossmitte zur Stadt verlaufende Ulmenallee gefällt werden (sh. Foto ganz oben). Während des 2. Weltkrieges wurde das Denkmal in einer Nacht- und Nebelaktion demontiert. Man brauchte das Metall für die Waffenproduktion. - Während der Nazizeit fanden vor dem Schloss Aufmärsche und große Veranstaltungen statt.

 

Als letzter, Oberpräsident, der im Schloss residierte, war Dr. Alfred Meyer, zugleich Reichsstatthalter, Gauleiter und Teilnehmer der Wannsee-Konferenz.

Einwohnerbuch 1909
Einwohnerbuch 1909
Einwohnerbuch 1939
Einwohnerbuch 1939

Zerstörung

September 1945 - Foto Carl Pohlschmidt - ULB Münster
September 1945 - Foto Carl Pohlschmidt - ULB Münster

Bereits 1941 wurde das Schloss bombardiert. Jedoch konnten die Schäden repariert werden. Kurz vor Kriegsende setzten Brandbomben das Schloss in Brand. Mehrere Tage wütete das Feuer. Löschversuche blieben erfolglos. Für die Feuerwehr war es unmöglich, das Schloss über die mit Trümmern übersäten Straßen zu erreichen. Auch die alliierten Soldaten hatten einige Wochen später bei der Besetzung Münsters Probleme und mussten zunächst Planierraupen zur Trümmerbeseitigung einsetzen.

 

Ein Teil des Inventars konnte gerettet werden. Vom Schloss blieben lediglich die Außenmauern stehen.

 

Von Herrn Otto-Ehrenfried Selle erreichte mich am 29.1.2016 hierzu folgend Nachricht:
...In den WN vom Montag, dem 19. Februar 1990 finde ich auf der damaligen Sonderseite "Münster –Vergangenheit und Gegenwart" in einem fast ganzseitigen Beitrag von Karlheinz Kirchhoff folgenden Text:
"Nach schweren Luftangriffen am Palmsonntag (25. März)1945 brannte Münster an allen Ecken und Ende. …….. Ein Architekt der Hochbau-Abteilung des Provinzialverbandes, damals bei der Technischen Nothilfe eingesetzt, machte einen an der Frauenstraße rastenden Löschzug darauf aufmerksam, dass über dem Dach des Schlosses eine dünne Rauchfahne stünde, vermutlich von einer einzelnen Brandstelle. Doch der Leiter des Löschzuges erklärte, für das Schloss habe er keinen Auftrag. – So brannte das Residenzschloss nieder, nur die Außenmauern blieben als eindrucksvolle Ruine stehen".

 

Offensichtlich gab es verschiedene Faktoren, die einen Feuerwehreinsatz verhinderten und zu einem ungehindertes Abbrennen führten.

Wiederaufbau

Bereits 1946 begann der Wiederaufbau. Es wurde beschlossen, dass das Gebäude Sitz der Universität werden sollte. Nach vierjähriger Bautätigkeit war das Gebäude zwar noch nicht völlig fertiggestellt, aber die ersten Vorlesungen konnten bereits 1950 aufgenommen werden.

Richtfest 1949
Richtfest 1949
frühe 1960er Jahre
frühe 1960er Jahre

Von der alten Pracht der Innenräume ist nichts geblieben. Für eine aufwändige Rekonstruktion fehlte das Geld.

 

Nach Residenzsitz für Fürstbischöfe, Oberpräsidenten und Generale hat das Schloss eine neue und sinnvolle Funktion erhalten:

Mittelpunkt für Lehre und Wissenschaft

Die Westfälische-Wilhelms-Universität Münster

frühe 1960er Jahre
frühe 1960er Jahre

Quellen:

Peter Werland: Führer durch Münster i.W. 1931

Hermann Schmitz: Münster 1911