Liebe Leserinnen und Leser,

im nächsten Jahr sind es 75 Jahre her, dass der münstersche Bischof und spätere Kardinal Clemens August Graf von Galen seine drei berühmten Predigten hielt.

 

Die Predigten fanden durch maschinenschriftliche Kopien und britische Flugblätter eine große Verbreitung in Deutschland. Beide Dokumente der Predigt über das Widerstehen werden in dieser Bildgeschichte vorgestellt.


Ihr Henning Stoffers


Die Predigt über das Widerstehen

1930 - Graf von Galen als Pfarrer von Lamberti
1930 - Graf von Galen als Pfarrer von Lamberti

Am 20.7.1941 hielt Bischof Graf von Galen in der Überwasserkirche (Liebfrauenkirche) eine seiner Brandpredigten. Die beiden anderen Predigten wurden in der Lambertikirche gehalten.

 

In dieser Predigt über das Widerstehen bringt er den bildhaften Vergleich von Amboss und Hammer:

Wir sind Amboss und nicht Hammer! Aber seht einmal zu in der Schmiede! Fragt den Schmiedemeister und laßt es euch von ihm sagen: Was auf dem Amboss geschmiedet wird, erhält seine Form nicht nur vom Hammer, sondern auch vom Amboss. Der Amboß kann nicht und braucht nicht zurückzuschlagen; er muß nur fest, nur hart sein. Wenn er hinreichend zäh, fest, hart ist, dann hält meistens der Amboss länger als der Hammer...

...Wir sind zurzeit Amboss und nicht Ham­mer! Bleibt stark und fest und unerschütter­lich wie der Amboss bei allen Schlägen, die auf uns niedersausen! In treuestem Dienst für Volk und Vaterland, aber auch stets bereit, in äußerstem Opfermut nach dem Wort zu handeln: ,Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen!'...

 

Sehr fein formuliert ist auch der Schluss der Predigt:

Lasset uns beten... für (unser*) Volk und Vaterland und für seinen Führer. Amen.

Dass er nicht von ,unserem Führer' spricht, zeigt seine Distanzierung zu Hitler.


*in der britischen Version enthalten

Die maschinenschriftliche Kopie

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Verbreitung und Verfhaftungen

Die Verbreitung der Bischofspredigten war sehr gefährlich. Es gab mehrere Verhaftungen und Verschleppungen in Konzentrationslager. Der Bischof rechnete selbst mit seiner Verhaftung, und wies seinen Kaplan für diesen Falle an, ihm Wäsche ins Gefängnis zu bringen.

 

Clemens August von Galen wurde nicht verhaftet. Hitler war außer sich und drohte, nach dem Endsieg es ihm ,auf Heller und Pfennig' heimzuzahlen.

 

Ein Abdrucken der Predigten war in der damaligen Situation nicht möglich, und so wurden die Predigten heimlich mit der Schreibmaschine abgeschrieben. Auf dünnem Papier schaffte man jeweils 8 bis 10 Kopien. Die Kopien verbreiteten sich zunächst innerhalb katholischer Kleingruppen und im weiteren Verlauf in ganz Deutschland.  So gelangten sie an eine breite Öffentlichkeit.

 

Die Briten erkannten die Brisanz der Texte und druckten die Predigten. Aus Flugzeugen wurden sie als Flugblätter in großen Mengen abgeworfen.

Britisches Flugblatt

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Folgende Zuschriften erreichten mich:

... Ich bin Urmünsteranerin, im Kuhviertel aufgewachsen, im alten "Gesindehaus" zum Schlaun'schen Hof von 1752, welches mein Großvater 1921 käuflich erwarb und das heute noch steht. 1979 habe ich es verkauft, da es meinen Mann aus beruflichen Gründen ins Emsland zog.


Die Galen-Predigt in der Überwasserkirche besitze ich auch als Schreibmaschinendurchschlag. Meine Mutter erzählte mir, dass Nonnen nächtelang daran gesessen hätten, um diese Predigt tippend zu vervielfältigen, um sie dann in der Überwasserkirche heimlich zu verteilen.


Da meine Mutter auch während dieser Predigt in unserer Pfarrkirche anwesend war, konnte sie ein Exemplar gut versteckt mit nach Hause nehmen. Die Gestapo war wie immer mit anwesend, daher sei es nicht ungefährlich für diejenigen gewesen, dieses Exemplar mitzunehmen.

Herzliche Grüße aus dem Emsland
M. Th. S...


Ein Leser schreibt:

...Ich kenne die Briefe und war bewegt und erschüttert zugleich, in welcher Offenheit der Mann geschrieben hat.

Die ersten, die aus seiner nächsten Umgebung eingesperrt wurden, waren eine Nonne und sein Domprobst Clemens Echelmeyer. Danach soll er angefangen haben, die mutigen Predigten zu halten.

Leider hat sich v. Galen nicht zu den Judenprogromen geäußert. Er kam schließlich aus einer sehr konservativen Ecke unseres politischen Spektrums. Ein Aberwitz ist es natürlich, dass ausgerechnet die RAF, die Deutschland in Schutt und Asche gelegt hat, seine Briefe abgeworfen hatte.

V. Galen und Boldelschwingh haben leider den II. Weltkrieg nicht lange überlebt. Sie hätten der Nachwelt mehr von den inneren Zwängen berichten können, unter denen sie gearbeitet hatten.