im Oktober 2019

Liebe Leserin, lieber Leser,

vor 130 Jahren waren Schusters Rappen, die Kutsche oder der Pferderücken die üblichen Verkehrsmittel. Münster war zwar 40 Jahre zuvor an das neue Eisenbahnnetz angeschlossen worden, aber einen organisierten Nahverkehr gab es nicht.

 

Wie die Straßenbahn und der O-Bus nach Münster kamen, erzählt diese Bildgeschichte. - Der 2. Teil dieses Beitrages erscheint in Kürze.

 

Ihr Henning Stoffers


Die Elektrische, die O-Busse und vieles mehr...

Teil 1

Die Zeit der Pferdeomnibusse

Kutschen auf dem Prinzipalmarkt 1887 - Sammlung Henning Stoffers
Kutschen auf dem Prinzipalmarkt 1887 - Sammlung Henning Stoffers

Münster bekam seinen ersten Bahnhof 1848. Mit der Dampfeisenbahn wurden Menschen und Güter über längere Strecken transportiert. Jedoch auf kurzen Strecken innerhalb einer Stadt gab es kein ähnliches Transportmittel. Das sollte sich 1888 ändern.

 

Es war der Hauderer Heinrich Hagenschneider, ein Fuhrunternehmer vom Bispinghof, der 1888 eine Lizenz zum Personentransport mit einem Pferdeomnibus beantragte. Der Magistrat stimmte am 26.3.1888 zu.

 

Das war die Geburtsstunde des städtischen Linienverkehrs. Hagenschneider hatte mit seiner Geschäftsidee den richtigen Riecher.

Pferdeomnibus
Pferdeomnibus

Hagenschneider begann mit drei Pferdeomnibussen und bediente innerhalb Münsters drei Strecken. Die einspännigen Omnibusse konnten bis zu 10 Personen aufnehmen. Eine einfache Fahrt kostet 10 Pfennig und war somit deutlich günstiger als die mit einer Mietkutsche.

Eine Fahrt mit dem Pferdeomnibus verlief gemächlich, brachte aber dem Fahrgast eine Bequemlickeit, die es vorher zum kleinen Preis nicht gab.

 

Hagenschneiders Geschäfte liefen gut. Es wurde sogar ein motorisierter Omnibus angeschaft, der Münsters Außenbezirke versorgte.

Elektrizität - Die neuen Möglichkeiten

De Jahre des rasanten technischen Fortschritts hatten begonnen, und die Elektrizität spielte eine immer bedeuternde Rolle.

 

Völlig neue Möglichkeiten erschlossen sich: Wie zum Beispiel der Bau einer elektrischen Bahn, die auf Schienen rollte und Personen innerhalb einer Stadt beförderte - die Elektrische, die Straßenbahn.

Die Straßenbahn kommt

Ablösung: Straßenbahn ersetzt Pferdeomnibus
Ablösung: Straßenbahn ersetzt Pferdeomnibus

Münsters Bevölkerung war in den letzten fünf Jahrzehnten von 25.000 auf 65.000 Einwohner gestiegen, hatte sich also mehr als verdoppelt. Der Straßenverkehr nahm gleichermaßen zu. 1901 war der Zeitpunkt gekommen, den Pferdeomnibus durch die ,Elektrische' - die Straßenbahn - abzulösen. - Eine neue Ära hatte begonnen.

Elektrizitätswerk - Stadtplan 1905
Elektrizitätswerk - Stadtplan 1905

Östlich der Stadt war Ende des 19. Jahrhunderts Münsters Hafen entstanden. In diesen Jahren kamen eine Gas-Anstalt und ein Elektrizitätswerk am Albersloher Weg hinzu. Und im nächsten Schritt baute man dort das Straßenbahndepot.

 

Es entwickelte sich eine immense Bautätigkeit. Gleise waren zu verlegen, wie auch die Oberleitungen für die Stromversorgung. Die Buddelei waren die Münsteraner gewohnt, den Jahre zuvor waren die Wasserleitungen in die Häuser und etwas später die Abwasserkanäle gelegt worden.

Prinzipalmarkt um 1910 - Sammlung Henning Stoffers
Prinzipalmarkt um 1910 - Sammlung Henning Stoffers

Organisatorische Grundlagen waren zu schaffen, das Personal musste eingestellt und geschult werden, Haltestellen eingerichtet und Fahrscheine gedruckt werden. Der Markt auf dem Prinzipalmarkt wurde auf den Domplatz verlegt. Sicherheitsbedenken waren maßgeblich, denn die Gleise führten direkt am Bürgersteig entlang, wo sich in nächster Nähe die Marktstände befanden.

Frühe Straßenbahn der Stadt Münster
Frühe Straßenbahn der Stadt Münster

Das Straßenbahnnetz 1936

Dieser Ausschnitt des Stadtplans zeigt mit den durchgezogenen roten Linien das Schienennetz der Straßenbahn. Zwei Gleispaare wurden mit doppelten Linie kenntlich gemacht. Bei Strecken mit nur einem Gleispaar war nur ein einfacher Pendelverkehr - ohne Gegenverkehr - möglich.

Streckenplan 1936 - Sammlung Henning Stoffers
Streckenplan 1936 - Sammlung Henning Stoffers

Wegen der sehr schmalen, engen Salzstraße und Ludgeristraße fuhren die Straßenbahnen in der Gegenrichtung einen kleinen Umweg durch den Alten Steinweg und die Königstraße.

 

Die Fahrgäste hatten wegen der relativ geringen Dichte des Schienennetzes längere Fußwege zurückzulegen, insbesondere an der Peripherie der Stadt.

Drubbel vor dem Abriss - Sammlung Henning Stoffers
Drubbel vor dem Abriss - Sammlung Henning Stoffers

Eine besonders enge Durchfahrt gab es am Drubbel. Die Ansammlung von 10 Wohn- und Geschäftshäusern ließ zu den Nachbarhäusern nur einen Durchlass von 4,40* Metern durch die die Straßenbahn fuhr. Nach einem Brand wurde das historische Häuserensemble 1907 leider abgerissen.

 

Heute erinnert nur noch die hellere Pflasterung, die den Grundriss der Gebäude markiert. *Die Messung des vorgenannten Durchlasses konnte ich anhand dieser Markierung vornehmen.

Die Ära Straßenbahn

53 Jahre lang gab es die Straßenbahn in Münster. Allerdings musste der Betrieb ab 1922 für zwei  Jahre ruhen. Die Inflation war der Grund für die Sparmaßnahmen. Die Not war groß, so dass sogar der Türmer von St. Lamberti - trotz Bürgerproteste - abberufen worden war.

 

Parallel zu den Straßenbahnen kamen auch Omnibusse zum Einsatz. Die Einwohnerzahl hatte weiter zugenommen und die Anforderungen an den Nahverkehr waren ebenfalls gestiegen. Das Verkehrsmittel Bus zeichnete sich  - im Vergleich zur Straßenbahn - durch seine größere Flexibilität aus. Auch mussten keine Gleise und Stromleitungen gelegt werden. Insofern stellte der Bus eine ideale Ergänzung zur Straßenbahn dar.

In den Kriegsjahren herrschte Spritmangel, daher waren Autos und Buse auch mit Holzvergasern ausgestattet
In den Kriegsjahren herrschte Spritmangel, daher waren Autos und Buse auch mit Holzvergasern ausgestattet
Sommer 1945 - Foto Carl Pohlschmidt ULBMünster
Sommer 1945 - Foto Carl Pohlschmidt ULBMünster

Im 2. Weltkrieg wurde ein Großteil des städtischen Fuhrparks zerstört. Auch das Schienennetz nahm erheblichen Schaden.

 

Nach dem Krieg machten beunruhigende Gerüchte die Runde. Die Straßenbahn würde abgeschafft werden, sie soll durch O-Busse ersetzt werden. Herr Geringhoff, Leiter des Bauausschusses, gab bekannt, die Bevölkerung möge beruhigt sein. Man denke nicht an die Stilllegung der Straßenbahn. Das Gegenteil sei der Fall, nämlich das Straßenbahnnetz würde weiter ausgebaut werden. Das war im Januar 1948. Dennoch liefen Überlegungen, O-Busse einzusetzen.

1954 fuhr in Münster die letzte Straßenbahn. Die O-Busse und die Dieselbusse beherrschten nunmehr das Stadtbild.

O-Busse vor dem Gertrudenhof an der Warendorfer Straße
O-Busse vor dem Gertrudenhof an der Warendorfer Straße

Bereits das Jahr 1968 brachte das Aus für die O-Busse. Der enge Radius, in dem sich die Busse nur bewegen konnten, war ein Grund, dieses Verkehrsmittel abzulösen.

 

Mehr als 50 Jahre sind vergangen. Heute sähe eine solche Entscheidung wegen des gestiegenen Anspruchs auf Umweltfreundlichkeit und einer größer gewordenen Stadt sicherlich anders aus.

Teil 2 folgt


Dankeschön

Florian Adler von den Stadtwerken Münster danke ich herzlich, einen Teil der hier gezeigten Bilder veröffentlichen zu dürfen.

Quellen

Text und Idee: Henning Stoffers

Fotos, wenn nicht anders angegeben: Stadtwerke Münster

Stadt Münster:

Beiträge zu Stadtforschung Stadtentwicklung Stadtplanung 6/1980

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