Liebe Leserin, lieber Leser,

Einwohnerbücher gibt es seit Mitte des 19. Jahrhunderts. Penibel sind die Haushaltungsvorstände alphabetisch und nach der Wohnadresse aufgeführt. Weitere Informationen über Verwaltung, Verordnungen, Kirchen, Militär, Vereine und Gewerbe sind in diesen amtlichen, einzigartigen Adressbüchern zu finden.

 

Heute kann man in diesen Fundgruben wunderbar stöbern...

 

Ihr Henning Stoffers


Eine wahre Fundgrube: Einwohnerbücher

Mit Jugendstilelementen verziert
Mit Jugendstilelementen verziert

Seit Jahrhunderten existieren Verzeichnisse, in denen z.B. die Eigentümers eines Hauses aufgeführt wurden. In alten Kirchenbüchern wurden Taufen, Eheschließungen und Sterbefälle registriert. Diese wertvollen Dokumente werden in Archiven aufbewahrt

 

Seit 1853 werden für Münster amtliche Adressbücher bzw. Einwohnerbücher geführt. Diese Verzeichnisse sind nach verschiedenen Kriterien aufbereitet, aus denen heute wichtige Informationen für eine historische Betrachtung gewonnen werden können.

 

Mitte der 1970er Jahre trat ein Gesetz für den Datenschutz in Kraft, das letztlich zur Einstellung dieser Adressbücher führte.

Einige wichtige Informationen gab's vorweg
Einige wichtige Informationen gab's vorweg
Eingebettete Werbung
Eingebettete Werbung

Die Gliederung

In der Regel hatte ist ein Einwohnerbuch in vier Abschnitte gegliedert:

  • Das Alphabetisches Namenszeichnis der Haushaltungsvorstände mit Wohnadresse
  • Das Straßenverzeichnis mit Angabe der Hausbesitzer und der Haushaltungsvorstände
  • Das Verzeichnis der Behörden, der Bildungseinrichtungen, der kirchlichen Einrichtungen und der Vereine
  • Das Verzeichnis der Gewerbetreibenden, wie zum Beispiel Bäcker, Schneider und Kaufleute

Daneben gab es alle möglichen Bekanntmachungen, zum Beispiel über die Straßenreinigung, das Bestattungswesen oder über die Beförderungs- und Portotarife. Nebenstehendes Icon anklicken.


Anfangs hatten die Bücher nur einen geringen Seitenumfang. Im Laufe der Jahrzehnte wurden sie mit zunehmendem Wachstum der Bevölkerung immer umfangreicher und schwerer. Das Adressbuch 1975/76 wiegt mehr als 3 kg.

 

Die Adressbücher wurden im 20. Jahrhundert alle 2 - 3 Jahre neu aufgelegt. Größere Pausen gab es in den Kriegs- und Nachkriegsjahren.

Verzeichnis Vereine
Verzeichnis Vereine
Straßenverzeichnis
Straßenverzeichnis

Die hier gezeigten Beispiele stammen aus dem Einwohnerbuch von 1909 und können durch Anklicken vergrößert werden.

Behördenverzeichnis
Behördenverzeichnis

Über das Straßenverzeichnis

Straßenverzeichnis 1939
Straßenverzeichnis 1939

Das Straßenverzeichnis liefert eine Vielzahl von Informationen. Zunächst wird die Herkunft des Straßennamens erklärt (ab 1939). Namensgeber konnten beispielsweise geschichtliche Ereignisse, Tiere, Blumen, Bäume oder alte Flurbezeichnungen sein. Gern ehrte man Personen auf diese Weise.

 

Für jedes Haus einer Straße wurde die jeweilige Hausnummer und an erster Stelle der Name des Eigentümers in Klammern angegeben. Dann folgten die Namen der Mieter. Genannt wurden immer nur der Name des Haushaltungsvorstandes und dessen Beruf. Rückschlüsse auf Familienangehörige sind somit nicht möglich. In den älteren Adressbüchern ergänzte auch die Nummer eines Telefonanschlusses die Angaben. Bei mehrstöckigen Gebäuden wurde vermerkt, in welcher Etage sich die Wohnung des Mieters befindet. Der Buchstabe ,P' stand für Parterre, eine kleine Ziffer für die jeweilige Etage.

Es gibt eine Straße in Münster, deren Namensherkunft bisher nicht eindeutig geklärt werden konnte: Die Goldstraße. Es kann vermutet werden, dass sie ihren Namen auf Grund der hohen Grundstückspreise erhielt. - Die Goldene Brücke hat ihren Namen, weil die Baukosten so hoch waren, dass man sie in Gold hätte bauen können.

Verzeichnis der Gewerbetreibenden

Im Verzeichnis der Gewerbetreibenden sind Berufe aufgeführt, die es heute nicht mehr gibt bzw. selten sind. Es fällt auf, dass es damals beispielsweise eine große Zahl von Schneidern, Bäckern und besonders vielen Schenkwirten gab. So versorgten um 1840 300 Schenkwirt 18.000 Münsteraner jeglichen Alters mit Bier. Umgerechnet: 1 Schenkwirt für 60 Menschen.

 

Der berufliche Strukturwandel im Laufe der Jahrzehnte wird durch diese Adressbücher eindrucksvoll dokumentiert.

Politische Einflussnahme

Die Adressbücher wurden auch für politische Zwecke missbraucht. Im Einwohnerbuch von 1939 sind die vielen Organisationen der Nazi-Partei detailliert aufgeführt. Das Vorwort und in die geschichtlichen Beschreibung der Stadt Münster sind von der Naziideologie durchdrungen.

 

Das nebenstehende Icon zur Vergrößerung bitte anklicken.

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Werbliche Anzeigen hat es bereits in den ersten Einwohnerbüchern gegeben. Die Bücher waren relativ teuer. Der Verkaufspreis konnte durch die Aufnahme der Werbung etwas ,subventioniert' werden.

 

Die Werbeanzeigen spiegeln wider, wie sich die Geschäftswelt damals nach außen darstellte. Es wirkt bieder und nostalgisch zugleich.


Übers Stöbern...

Meine Besucher blättern gern in den alten Adressbücher. Es wird nachgesehen, ob und wie die Eltern, Verwandte oder Freunde eingetragen sind. Dass dabei die Zeit wie im Fluge vergangen ist, wird verwundert erst im Nachhinein bewusst.

Adressbuch 1939
Adressbuch 1939

Erinnerungen werden wieder wach, wenn die vergessenen Namen alter Nachbarn gefunden werden. Man erinnert sich an den Bäcker und Metzger in der Nachbarschaft. Wo wohnte ein alter Lehrer, und was ist beim damaligen Hausarzt vermerkt?

Adressbuch 1939
Adressbuch 1939

Es werden die vielen, längst geschlossenen Kinos gesucht: z.B. die Camera, der Gertrudenhof, der Fürstenhof, das Capitol, das Metropol, das Roland- und das Residenztheater oder der Neue Krug. Und Hill und Eklöh gab es ja auch einmal... Die Namen vieler Kneipen und Restaurants tauchen wieder auf, die es lange nicht mehr gibt.

Ausschnitt Adressbuch 1909
Ausschnitt Adressbuch 1909

Tipp

Die Universitäts- und Landesbibliothek hat eine Vielzahl münsterscher Adressbücher digitalisiert und auf ihrer Internetseite zum kostenlosen Herunterladen veröffentlicht:

bis einschließlich 1912 hier klicken und ab 1929 hier klicken.


Quellen

Einwohnerbücher: Sammlung Henning Stoffers

Idee und Text: Henning Stoffers