Liebe Leserin, lieber Leser

es war schon aufregend, als vor 3 Jahren von einem Auktionshaus einige Blätter eines Fotoalbums angeboten wurden. Das Wenige, was zu sehen war, hatte mein größtes Interesse geweckt. Ich wurde nicht enttäuscht: 47 Fotos, teils von excellenter Qualität, zeigen Münster in den Jahren von 1910 bis 1915, vermutlich fotografiert von Professor Joseph Geyser.

 

Wie sah Professor Geyser seinen Wohnort? Lassen Sie sich 100 Jahre zurück versetzen.

 

Herzliche Grüße

Ihr

Henning Stoffers

Wer war der Fotograf?

Der Verkäufer konnte keine weiterführenden Angaben über die Herkunft der Bilder machen. So wurde gerätselt, wer der Fotograf der Aufnahmen gewesen sein mag.

 

Auffällig war, dass ein Haus aus verschiedenen Perspektiven aufgenommen worden war. So lag die Vermutung nahe, dass nur der Besitzer dieses Hauses auch der Fotograf gewesen sein konnte.  Die Straße konnte ermittelt werden:  Es ist die Gertrudenstraße 37 im Kreuzviertel.

 

Jetzt ging es darum herauszufinden, wer zur damaligen Zeit dort gewohnt hatte. Das Einwohnerbuch war wieder hilfreich. Eigentümer und Bewohner war der Philisophie-Professor Dr. Joseph Geyser. Er lehrte an der hiesigen Universität von 1904 bis 1917.

Gertudenstraße 37 - Damals...
Gertudenstraße 37 - Damals...

... und heute
... und heute

Spaziergang nach Kinderhaus

An der Grevener Straße lag die neu errichtete Artilleriekaserne.
An der Grevener Straße lag die neu errichtete Artilleriekaserne.
Hinter Marienthal
Hinter Marienthal

Die alte Eschmühle

Heute erinnert nichts mehr an die alte Mühle. Die Aufnahme wurde in Höhe der Germania-Brauerei von der Gasselstiege aus in Richtung Grevener Straße gemacht. Im Hintergrund sind die Alleebäume der Grevener Straße zu erkennen.

 

Die detailreiche Aufnahme zeigt die Baufälligkeit der Mühle, die 3 Jahre später einstürzte und abgerissen wurde.

 

Näheres über Münsters letzte Mühle finden Sie hier.

An der Gasselstiege vor 100 Jahren
An der Gasselstiege vor 100 Jahren
Heute
Heute

Bauernhof am Wienburger Wege
Bauernhof am Wienburger Wege
Kotten gegenüber Marienthal
Kotten gegenüber Marienthal

Die Wienburg
Die Wienburg
Am Max-Clemens-Kanal
Am Max-Clemens-Kanal

Das Ziel der Wanderung ist erreicht. Fotografiert wurde vom heutigen Wangeroogeweg (Sportplatz) aus in Richtung Grevener Straße - Kirche.

Um welche hier abgebildeten Personen es sich handelt, ist heute nicht mehr feststellbar. Wir können vermuten, dass es die Eheleute Geyser sind.

Übers Fotografieren

Nahe der Grevener Straße
Nahe der Grevener Straße

Heute denken wir gar nicht mehr darüber nach, wenn wir fotografieren. Es war noch nie so einfach und so preiswert. Alles geht automatisch. Und gefällt das Foto nicht, dann landet es im elektronischen Mülleimer. Papierabzüge werden kaum noch gemacht. Flachbildschirme etc. haben den Papierabzug ersetzt.

 

Wie wurde damals fotografiert? Ende des 19. Jahrhunderts begann die Industrialisierung der Fotografie. Um 1900 gab es die ersten Rollfilme. Handliche Kameras kamen auf den Markt. Jede Aufnahme musste jedoch vorher genauestens bedacht werden, denn das Fotografieren war teuer. Äußerst penibel mussten Belichtungszeit und Blendenöffnung ermittelt und eingestellt werden. Ebenfalls war da Einstellen der Entfernung wichtig, ansonsten könnte die Aufnahme unscharf werden. Und nicht jedes Foto gelang. Dann ging der Film bzw. die Fotoplatte ins Fotolabor. Dort wurde das Negativ entwickelt und bearbeitet. Die Bearbeitung war wichtig, um Unter- oder Überbelichtungen auszugleichen und um besondere Effekte zu erzielen.

Hof zur Linde
Hof zur Linde

Vor diesem Hintergrund ist es nicht verwunderlich, dass von Professor Geyser in den Jahren von 1910-1915 nur 47 Aufnahmen gemachten wurden.

 

Bei einer Bildgröße von 10 x 8 cm ist es erstaunlich, wie gestochen scharf die Aufnahmen sind. Auch der Erhaltungszustand ist ausgezeichnet. Es sind nach 100 Jahren keine Alterungsspuren zu erkennen.

Durch die Stadt

Das Schloss mit Kaiser-Wilhelm-Denkmal
Das Schloss mit Kaiser-Wilhelm-Denkmal



Marktstand auf dem Domplatz
Marktstand auf dem Domplatz
Marktstand am Horsteberg
Marktstand am Horsteberg

Schlossgarten
Schlossgarten
Neuplatz Richtung Bäckergasse
Neuplatz Richtung Bäckergasse

Oktober 1914

Die Kriegsbeute wird bestaunt.

 

Dieses Foto entstand von der Promenade aus, auf der Höhe des heutigen Finanzamtes Münster-Innenstadt in Richtung Münzstraße-Buddenturm.

 

Der Buddenturm, ein alter Wehrturm, wurde damals noch als Wasserspeicher genutzt. Die Zinnenkrone sind mittlerweile durch das ursprüngliche Ziegeldach ersetzt worden.

Französische Kriegsgefangenen auf der Grevener Straße
Französische Kriegsgefangenen auf der Grevener Straße
An der Münzstraße
An der Münzstraße

Die Westerholtsche Wiese mit Blick auf die Innenstadt
Die Westerholtsche Wiese mit Blick auf die Innenstadt

Gut zu erkennen ist die Wäsche, die rechts zum Trocknen aufgehängt ist.  Stimmt das Datum auf dem Foto, fiel der Waschtag auf einen Samstag.


Damals gab es die 'kleine Wäsche', die meistens wöchentlich oder zweiwöchentlich war. Der Waschtag für die  'große Wäsche' war einmal im Monat.

Engelenschanze
Engelenschanze
Frauenstraße
Frauenstraße

Zoo - Bärenkäfig
Zoo - Bärenkäfig
Provinzial-Schulkollegium am Schlossplatz
Provinzial-Schulkollegium am Schlossplatz

Krummer Timpen - Rückseite
Krummer Timpen - Rückseite
Die Werse bei Nobiskrug
Die Werse bei Nobiskrug

Gaststätte Pelkum vorm. Greinert Richtung Roxel jetzt Bakenhof
Gaststätte Pelkum vorm. Greinert Richtung Roxel jetzt Bakenhof