Legenden und Aufreger rund um den Aegidiimarkt

Im Aegidiiviertel soll es spuken. Das liegt vermutlich an der spannenden und wechselhaften Geschichte dieses Ortes. Hier lebten arme Leute, im Mittelalter sogar Pestkranke und wohlhabende Bürger Tür an Tür.


Der  Mittelpunkt des Stadtviertels war die Kirche, die um das Jahr 1180 herum gebaut worden war und an der Nordwestspitze des Aegidiiplatzes stand. Der heutige Aegidiimarkt steht praktisch auf ihren Fundamenten.


Zum Gotteshaus gehörte auch das Kloster der Zisterzienserinnen, das etwa zur gleichen Zeit errichtet worden war.


In späteren Zeiten verschlechterte sich der allgemeine äußere und innere Zustand des Klosters. Gelegentlich wurden auch Beschwerden über die Lebensführung der Nonnen laut.
Der Legende nach soll deshalb der Kirchturm im Jahr 1666 vom Blitz getroffen worden sein. Jedenfalls war die Aegidiikirche seitdem baufällig und wurde 1821 durch eine Verfügung des Oberpräsidenten dicht gemacht. 14 Tage später stürzte sie ein.


Auf dem Platz entstand nach drei Jahren Bauzeit die Dreizehnerkaserne, an die heute noch die Dreizehnerstraße erinnert. 1500 Soldaten des 13. Infanterieregiments waren in preußischer Zeit in dem viergeschossigen, verputzten Backsteinbau stationiert. Nachdem das Gebäude nach dem Ersten Weltkrieg als Hauptversorgungsamt und Verwaltung der Schutzpolizei diente, wurde es im Zweiten Weltkrieg durch Bomben völlig zerstört. Der Platz wurde nach und nach von den Trümmern geräumt und lange Zeit als Parkplatz genutzt.

Die Stadt Münster hatte sich dazu verpflichtet, das Gelände zu gegebener Zeit mit einem schönen neuen Gebäude zu bebauen. Der Rat der Stadt entschloss sich zu einem öffentlichen Ideenwettbewerb. Den Bewerbern wurden diverse Vorgaben wie der Bau eines Parkhauses, die Einrichtung einer Zivilschutzanlage und die Unterbringung einer Umspannstation gemacht. Den ersten Preis von 24 eingesandten Wettbewerbsarbeiten ergatterte ein Düsseldorfer Architektenbüro. Das Parkhaus mit rund 800 Stellplätzen wurde als erstes fertig und im Februar 1978 rollten die ersten Autos die Rampe runter. Der Aegidiimarkt wurde im Oktober 1979 „mit Blasmusik, heißen Rhythmen, Tanz und Gesang“ feierlich
eingeweiht.


60 Millionen Mark hatte der Block, der aus der Vogelperspektive wie ein großer Baukasten aussieht, gekostet. Jetzt zogen die Volkhochschule, das Palmencafe, Praxen, Büros und Geschäfte hier ein. Der Bau der Tiefgarage entpuppte sich später allerdings als Fiasko.
Denn er zog einen 17 Jahre dauernden Rechtsstreit nach sich. Der Grund: Nach dem Abpumpen des Grundwassers waren Schäden an mehreren Innenstadt-Gebäuden aufgetaucht. In den 70er und 80er Jahren füllte der Aufreger immer wieder die Zeitungsseiten.
Unigebäude wurden unstudierbar, Kirchen wankten und Geschäftshäuser ächzten.
Die Schadensbehebung soll zweistellige Millionensummen verschlungen haben.
Wenn da mal nicht der spukende Amtmann Timphot seine Finger im Spiel hatte…

Der soll der Legende nach auch für den Einsturz der alten Aegidiikirche verantwortlich gewesen sein. Er kurvte immer in einer prächtigen Kutsche durch die Stadt, trug einen schicken grünseidenen Rock, eine lange weiße Perücke sowie einen großen dreieckigen Hut, einen Timphot. Zu Lebzeiten hatte er das Aegidiikloster betrogen und wurde deshalb nach seinem Ableben vom Teufel dazu verdonnert, ständig zwischen der obersten Spitze des Aegidiiturms und dem Chor herumzukraxeln. Auf Scholastikas Tag, einem Feiertag zum Lob der heiligen Scholastika von Nursia, war Amtmann Timphot vom Glockenläuten völlig entnervt, weil es ihn bei seiner Arbeit störte. Er bestieg seine Kutsche, fuhr zur Kirche und brüllte: „Scholastika, Scholastika, dich soll der Satan holen!“ Kaum gesagt, kamen zwei Teufelchen durch die Luft, und rissen Kutsche samt Amtmann Timphot in den Boden. Unter der Erde soll er dann so heftig rumgewühlt und gebuddelt haben, dass schließlich die Kirche einstürzte.


Die ewige Ruhe hat Amtmann Timphot auch danach nicht gefunden. Bis heute schlurft er zur Geisterstunde von der Aegidiistraße durch die Lütke Gasse bis zu dem einzigen Bogenhaus in der Rothenburg immer hin und her, etwa eine Elle über dem Erdboden, auf den er seinen Fuß nicht mehr setzen darf.