Liebe Leserin, lieber Leser,

diese Bildgeschichte widme ich einer besonderen Persönlichkeit, die für Münster von herausragender Bedeutung war und ist: Prof. Dr. Max Geisberg.

 

Jeder kennt den kleinen Weg zwischen Domplatz und Rothenburg: Der Geisbergweg. Eine Bronzetafel erinnert an den Historiker Prof. Max Geisberg, ohne den der Wiederaufbau Münsters wohl ganz anders erfolgt wäre.

 

Ihre

Henning Stoffers


Prof. Dr. Max Geisberg

Das Elternhaus

Der junge Max mit seinen Eltern
Der junge Max mit seinen Eltern

Max Geisberg wurde 1875 ‚auf dem Domplatz‘ geboren. Sein Vater Heinrich hatte dort als Justitiar des Domkapitels seine Dienstwohnung. Max verlebte eine unbeschwerte Jugendzeit auf der Hörsterstraße.

 

Eine Doppelhaushälfte (mit Treppenaufgang am Bürgersteig) direkt neben dem Martinihof. In seinen Erinnerungen schreibt er darüber, dass der Magistrat der Stadt den Treppenaufgang am Bürgersteig entfernen lassen wollte. Zu seiner Genugtuung jedoch ohne Erfolg.

Hörsterstraße nach Bombenangriff - Im Vordergrund der Martinihof, Geisbergs Elternhaus verdeckt (Bildmitte am Treppenaufgang)
Hörsterstraße nach Bombenangriff - Im Vordergrund der Martinihof, Geisbergs Elternhaus verdeckt (Bildmitte am Treppenaufgang)
Begonnen von Vater Heinrich, fortgeführt von Max Geisberg
Begonnen von Vater Heinrich, fortgeführt von Max Geisberg

Geisbergs Werdegang war stark von seinem Elternhaus geprägt.

 

Bereits sein Vater Heinrich hatte sich der münsterischen Geschichte verschrieben und u.a. eine kleine Broschüre über die Merkwürdigkeiten der Stadt Münster herausgegeben, die Max später fortführte. Auch war er Direktor des Vereins für Geschichte und Altertumskunde.

 

In diese Fußstapfen trat Max.

Max besuchte das Gymnasium Paulinum, wodurch ein weiterer Grundstein für seinen späteren Werdegang gelegt wurde.

Die Kreuztorfunde

Geisberg war 22 Jahre alt und Student im 4. Semester, als er 1897 mit den Grabungen am Kreuztor begann. Die behördliche Genehmigung wurde ihm von höchster Stelle erteilt. Sogar ein Kostenbudget gestand man ihm zu.

 

Die Funde waren sensationell.

 

Die Täufer hatten vor fast 400 Jahren Steinbildwerke (Apostel- und Heiligenfiguren, Taufbecken) von Überwasser und Dom als Füllmaterial und zur Verstärkung der Befestigungsanlage verwendet.

 

Geisberg buddelte alles wieder aus!

Todesanzeige der Mutter Auguste Geisberg
Todesanzeige der Mutter Auguste Geisberg

Studium und Beruf

Der hochbegabte Max promovierte über den Kupferstecher Meckenem und wurde später international anerkannter Fachmann des frühen Kupferstichs. Einige Jahre war er beim Königlichen Kupferstichkabinett in Dresden tätig uns sammelte Erfahrungen in der Führung eines Museums.

1911 wurde Geisberg Leiter des Landesmuseums Münster.

25jähriges Dienstjubiläum
25jähriges Dienstjubiläum

Sein Werk

In zwanzigjähriger Arbeit inventarisierte Max Geisberg die Bau- und Kunstdenkmäler Münsters.

 

Der erste Band erschien 1932, der letzte 1941. Die sechs Bände sind einzigartige Dokumente der kurze Zeit später im Kriege weitgehend zerstörten Stadt. Anhand dieser Aufzeichnungen war es möglich, vieles zu rekonstruieren.

 

Da die erste Auflage vergriffen war, wurde von Aschendorff in den 70er Jahre eine Neuauflage gedruckt.

Seine letzten Jahre

Nachruf
Nachruf

Die Nationalsozialisten entließen Geisberg 1934 vorzeitig als Direktor des Landesmuseums. Seine Freundschaft zum Bischof Clemens August Graf von Galen war nicht genehm. Man bezweifelte seine Zuverlässigkeit.

 

1940 wurde er nochmals zum Direktor des Museums ernannt, nachdem sein Nachfolger und nunmehr auch Vorgänger zur Wehrmacht eingezogen worden war. In diesen Jahren sorgte er für die Auslagerung der Kunstschätze, die ansonsten durch Bombenangriffe zerstört worden wären.

 

Anfang Juni 1943 brach Max Geisberg auf dem Domplatz, unweit seiner Geburtsstätte, zusammen und starb wenige Tage später am 5. Juni 1943 im Clemenshospital. Am selben Tage hatte ihn dort der Bischof Clemens August Graf von Galen als letzter Besucher aufgesucht. - Ein Kreis schloss sich. Sein Sarg wurde im Lichthof des Landesmuseums aufgebahrt. Die Beisetzung fand auf dem Zentralfriedhof statt. Sein Denkmal nimmt Bezug auf seine verdienstvolle Tätigkeit.

 

Kurze Zeit später versank Münster in Schutt und Asche.

Grabstätte der Familie Geisberg
Grabstätte der Familie Geisberg

Die Grabinschrift:

Ein Rohr ward mir gegeben. Stehe auf und messe den Tempel Gottes und den Altar. Geh. Offb. 11.1

 

Das Zitat aus der Geheimen Offenbarung ist eine Allegorie auf die Arbeit von Max Geisberg, der ja auch den Stab nahm und das Heiligtum (seiner Vaterstadt) vermessen hat.

Nachtrag

Haus Geisberg mit Ehefrau Maria auf dem Balkon
Haus Geisberg mit Ehefrau Maria auf dem Balkon

Eckhard Müller schreibt:

Vermutlich hatten Sie in Sachen Geisberg nichts zu seinem Wohnhaus an der Kleimannstraße (Nr.2 hat der Familie von 1911 bis 1967 gehört). Zum Glück kann ich eine Aufnahme von 1912 aus Familienbesitz beisteuern, mit seiner Frau Maria auf dem Balkon. Sie können das Foto in Ihrem Internetauftritt verwenden, wenn Sie wollen.

 

Herzlichen Dank, Herr Müller.

Literaturauswahl und Buchtipp

Meine Jugend im alten Münster

Max Geisberg

Bau- und Kulturdenkmäler der Stadt Münster Band 1-6

Max Geisberg

Erschienen bei Aschendorff