Liebe Leserin, lieber Leser,

eine Bildgeschichte über Münsters Gaststätten? Dieses Thema ist schier unerschöpflich, so dass an dieser Stelle nicht allzu sehr in die Tiefe gegangen werden kann. Von der Vielfalt der damaligen Gaststätten ist heute nur noch wenig erkennbar - leider.

 

Bei meiner Recherche war das Büchlein von Eugen Müller über die Herbergen und Gaststätten der Stadt Münster sehr hilfreich.

 

Lassen Sie sich etwas Zeit beim Stöbern.

 

Ihr

Henning Stoffers

Geschichtliches

Hotel Continental am Bahnhof
Hotel Continental am Bahnhof

Heute brauchen wir uns keinerlei Gedanken zu machen, wenn wir auf Reisen gehen. Moderne Hotels, Pensionen oder Gasthöfe, einfach oder luxuriös, stehen zur Wahl.

 

Wie war das aber, wenn ein Reisender vor einigen 100 Jahren eine Unterkunft suchte? Wo konnten Handwerksgesellen, umherziehende Händler, Fuhrleute und Wallfahrer übernachten und beköstigt werden? Sie fanden Unterschlupf in Klöstern, Pilger- und Krankenhäusern. Ein Kloster war früher auch ein ‚hospitium‘, also eine Herberge. Da aber die strenge Lebensart und die klösterlichen Regeln bei den Einkehrenden nicht besonders beliebt waren, entwickelten sich bürgerliche Wandererheime. So auch in Münster. Die älteste bekannte bürgerliche Herberge in Münster war das Moder-Even-Hues in der Marievengasse. Erstmals erwähnt im Jahre 1380. Zur gleichen Zeit gab es ein großes Wirtshaus mit Herberge an der Servatii-Kirche.

Linnenbrinks Concertgarten an der Warendorfer Straße
Linnenbrinks Concertgarten an der Warendorfer Straße

Bäcker brauen Bier

Später kamen die Bäckerherbergen hinzu. Es waren einfache und preiswerte Unterkünfte, die von den reisenden Handwerksburschen gern aufgesucht wurden. Die Bäcker buken damals nicht nur das Brot, sie brauten auch das Bier. Das war naheliegend, denn sie hatten die wichtigste Brauzutat, das Getreide. So waren alle Betreiber der Gasthäuser im 18. Jahrhundert auch Mitglieder der Bäckergilde.

Hotel Schnellmann
Hotel Schnellmann

Ende des 19. Jahrhunderts existierte diese enge Verbindung zwischen Backstube und Herbergsbetrieb mit Brauhaus nicht mehr. Die Gasthäuser und Schankwirtschaften brauten überwiegend ihr eigenes Bier. Aber dies war nicht von langer Dauer. Die inzwischen entstandenen Großbrauereien produzierten industriell verschiedene Biersorten und verdrängten die kleinen Braubetriebe. In Münster existiert heute nur das Brauhaus Pinkus Müller.

1900: Für 450 Einwohner eine Gaststätte

Nach dem Einwohnerbuch von 1907 hatte Münster etwa 200 Hotels, Gasthäuser und Schankwirtschaften. Bei einer Einwohnerzahl von 85000 kam auf 450 Einwohner (vom Säugling bis zum Greis) ein gastronomischer Betrieb. Bei der heutigen Einwohnerzahl Münsters wären es hochgerechnet 660. Allein der Ortsteil Kinderhaus käme auf 30 Gastronomiebetriebe. Tatsächliche gibt es in Kinderhaus nur eine Sportlergaststätte und ein China-Restaurant. Hier erkennen wir den Wandel der letzten 100 Jahre. 

Boniburg
Boniburg

Versetzen wir uns 120 Jahre zurück: es gab kein Radio, kein Fernsehen. Man arbeitete in der Regel an 6 Tagen in der Woche, oft mehr als 10 Stunden täglich. Die Freizeit war also knapp bemessen. Die Entspannung und Geselligkeit fand der Münsteraner in einer nahegelegenen Gaststätte oder in einem der vielen Vereine. Und an den Wochenenden ging es in eines der vielen Ausflugslokale am Stadtrand. Zum Beispiel: Maikotten, Vennemann, Wienburg, Voigt, Römer Wirt.

Bilderspaziergang

Etwas ganz Besonderes war der Dachgarten des Hotels Freudiger in der Ludgeristraße. Ein herrlicher Blick auf Stadtpanorama bot sich hier dem Gast.

Deitert - Warendorfer Straße Ecke Mondstraße
Deitert - Warendorfer Straße Ecke Mondstraße

Cafe Royal am Servatiiplatz. Der Name wurde bei Beginn des 1. Weltkrieges in Cafe Roxel geändert. Man wollte nichts Französisches. Der Betreiber musste nur 2 Buchstaben ändern...

Kaffee-Restaurant zur Schleuse
Kaffee-Restaurant zur Schleuse

Der wunderschöne Biergarten der Gaststätte Kruse-Baimken. Die Herren schauen nicht auf ihr Handy. Es sind Spielkarten.

Die Gaststätte am Landgericht wurde auch 'Meineidskneipe' genannt. Man besprach sich beim Bier, bevor es zum Gericht ging. Und danach traf man sich hier wieder, natürlich beim Bier.

Der alte Gertrudenhof an der Warendorfer Straße
Der alte Gertrudenhof an der Warendorfer Straße
Maikotten
Maikotten


Pleistermühle
Pleistermühle

So sah es vor 115 Jahren auf der Warendorfer Straße aus. Die Gaststätte Frönd mit eigener Brauerei. Das Bierfässchen auf den Schultern mag einiges gewogen haben.

Vennemann an der Werse in Handorf

Ein sonntäglicher Spaziergang durch den alten Zoo. Der krönende Abschluss war die Einkehr ins Zoorestaurant.