Liebe Leserin, lieber Leser,

auf Schritt und Tritt begegnen wir den Werken von Rudolf Breilmann, wie zum Beispiel der Hl. Nikolaus an der Bogenstraße hoch zum Horsteberg, der Hl. Nepomuk an der Aabrücke nahe des Aegidiimarktes oder der ausgestreckte Arm und die Friedenstaube am Rathaus.

 

Der Maler und Bildhauer Rudolf Breilmann aus Roxel hat das Erscheinungsbild Münsters mitgeprägt und bereichert. Allein die Vielzahl von Breilmanns Werken in Münster ist so groß, dass an dieser Stelle nur ein kleiner Teil vorgestellt werden kann.

Mit Rudolf Breilmann habe ich eine vier Jahrzehnte lange freundschaftliche Verbindung, so dass es mir eine besondere Freude ist, ihm diese Seite zu widmen.

 

Ihr Henning Stoffers


Auf Breilmanns Spuren - Münsters Bildhauer

Rudolf Breilmann 2015 - Foto Henning Stoffers
Rudolf Breilmann 2015 - Foto Henning Stoffers

Wenn man Rudolf Breilmann besuchen möchte, ist es leicht, ihn zu finden. Ein altes Kötterhaus am Rande von Roxel wurde in den 70er Jahren erworben, umgebaut und modernisiert.

 

In einem Nebengebäude ist das Atelier eingerichtet. Funktional, doch mit einer besonderen Atmosphäre der Ruhe und der Kreativität. Der Arbeitsplatz des Künstlers: Gipsstaub, halbfertige Plastiken, ein großer Tisch mit Skizzen und Zeichnungen. Und mittendrin Rudolf; leise, konzentriert und mit einem gehörigen Schuss Humor empfängt er seine Gäste.

Atelier
Atelier

Rudolf Breilmann ist älter geworden, aber das künstlerische Schaffen hat ihn nicht losgelassen. Zur Seite steht ihm seine Frau Renate, die ihn bei der Verwaltung seines Lebenswerkes unterstützt.

 

Ein umfangreiches Werkverzeichnis ist entstanden. Mehr als 1700 Plastiken, Brunnen, Reliefs, Denkmäler, Bildstöcke, Stelen und Skulpturen sind darin verzeichnet. Die unzähligen Zeichnungen, Bilder und Grafiken sind nicht erfasst. Eines Großteil seines grafischen Werkes wurde dem Religio-Museum in Telgte vermacht.

1966
1966

Der Hl. Nikolaus

Wer kennt sie nicht, die kleine Bischofsstatue an der Bogenstraße, dort wo es zum Dom hinauf geht. Die drei Kugeln, die in den Händen des Bischofs liegen, wie auch seine etwas spitze Nase, sind von ungezählten Händen der Vorbeigehenden blank poliert und glänzen golden.

 

Diese prominente Stelle wurde mit Bedacht gewählt. Denn hier war in früheren Zeiten das Nikolaitor (auch Horstebergtor) - ein Durchlass durch die Immunitätsmauer -, benannt nach der damals 50 Meter weiter oberhalb liegenden Nikolaikapelle. Der Stadthistoriker Dr. Ludwig Humborg hatte in den 1960er Jahren diesen Platz und die Figur des Hl. Nikolaus zur Erinnerung an die historische Vergangenheit empfohlen.

 

Die 3 goldenen Kugeln symbolisieren die dem Hl. Nikolaus zugeordneten Attribute: Die mystische Zahl 3 gilt in der Symbolik aller Völker als heilig. Bei den Juden ist es zum Beispiel der ,dreimal heilige Gott' oder bei den Christen die ,Dreifaltigkeit'.

An der WGZ-Bank - 'Gespräch' 1983
An der WGZ-Bank - 'Gespräch' 1983

Der Lebensweg

1929 wurde Rudolf Breilmann in Münster, sein lebenslanger Ankerplatz, geboren. Nach dem Abitur am Paulinum schloss sich eine zweijährige Steinmetzlehre an. Dann sollte er etwas 'Ordentliches' lernen, das wünschte sein Vater.

 

Das Architekturstudium war allerdings nur von kurzer Dauer. Die wahre Leidenschaft erfüllte sich durch die Studien an den Kunstakademien in Kassel, Hamburg und Nürnberg. Nun hatte er sein 'Handwerk' nach allen Regeln der Kunst erlernt. Bereits 1956 konnte das erste Atelier an der Grünen Gasse eingerichtet werden.

Die Hand und die Friedenstaube

An der Rückseite des Rathauses sind am Rathausturm die Reliefs einer Friedenstaube und eines Arms mit geöffneter Hand angebracht.

 

Sie sind die Symbole für den Westfälischen Frieden, der von hier und von Osnabrück ausgegangen war. Die Hand entlässt die Taube, die den Frieden in die Welt bringen soll. Die Reliefs entstanden 1966.

 

Am Stadthaus sind weitere Bronzereliefs zu finden. In einer Höhe von ca. 3 Metern wird die Geschichte der Stadt Münster mit symbolischen Elementen dargestellt. Die Reliefs prägen das äußere Erscheinungsbild des modernen Verwaltungsgebäudes am Platz des Westfälischen Friedens.

Stadtgründung
Stadtgründung
Brand und Wiederaufbau
Brand und Wiederaufbau

Frauenkopf auf Lindenholz 1982
Frauenkopf auf Lindenholz 1982

Die künstlerische Prägung

Wie sich später herausstellte, war die Steinmetzlehre, die eigentlich nur eine Vorstufe für den späteren Architekturberuf sein sollte, doch von fundamentaler Bedeutung für die bildhauerische Tätigkeit. Als weiteres wichtiges Element kam seine zeichnerische Fähigkeit für die bildnerischen Ausdrucksformen hinzu. Grundlage für eine Arbeit ist für Rudolf Breilmann immer die vorgeschaltete zeichnerische Studie.


Seine Werke strahlen in ihrer ästhetischen Zartheit und Strenge oft eine hintergründige Fröhlichkeit aus. Die christliche Grundeinstellung und Religiosität sind ausgeprägt, was in seinen sakralen Kunstwerken zum Ausdruck kommt. Breilmanns Handschrift ist bei allen seinen Arbeiten unverkennbar und unverwechselbar.

Kirchenportal Petrikirche

1985
1985

Kirchenportal Martinikirche

1969
1969

Der Hl. Nepomuk von 1993 und das Mordkreuz - im Hintergrund der Aegidiimarkt - Aufnahme um 1995
Der Hl. Nepomuk von 1993 und das Mordkreuz - im Hintergrund der Aegidiimarkt - Aufnahme um 1995

Der Hl. Nepomuk - Brücke am Bispinghof

Die Geschichte des Nepomuk ist hinreichend bekannt, so dass an dieser Stelle nicht weiter darauf eingegangen wird. Er gilt als Schutzpatron für Verschwiegenheit (Beichtgeheimnis), für Brücken und Gewässer.

 

Die eindrucksvolle Statue, gestalterisch reduziert auf das Wesentliche, zeigt einen Priester, der seinen Zeigefinger vor den Mund hält. Das Zeichen des Schweigens, der Verschwiegenheit. Unterhalb der Statue ist ein arg verwittertes Kreuz mit kleeblattartigen Verzierungen an den Enden, welches auch 'Mordkreuz' genannt wurde, ins Mauerwerk eingelassen. Dieses Kreuz zeigte in früheren Zeiten die Grenze des Immunitäsgebietes des Domes an.

 

In den Vorkriegsjahren zerstörte ein Lastkraftwagen bei einem Verkehrsunfall die Statue des Nepomuk. Die Brücke wurde im Krieg bombardiert. Das Mordkreuz konnte jedoch geborgen werden und wurde beim Neubau der Brücke wieder eingemauert.

 

Wie bei einem Vergleich der Bilder festzustellen ist, standen das Mordkreuz und die Statue des Nepomuk auf der Seite der Universitäts- und Landesbibliothek. Nunmehr sind Breilmanns Nepomuk und das Mordkreuz auf der gegenüberliegenden Brückenseite zu finden.

Ansichtskarte um 1910
Ansichtskarte um 1910

Das Kreuz erinnert an ein Verbrechen auf dieser Brücke, das Mitte des 17. Jahrhunderts begangen worden sein soll. Demnach hätte ein Student seinen Professor erstochen. Diese Version kursierte lange, sie ist jedoch unrichtig.

 

Tatsächlich gab es im Jahre 1813 einen Streit zwischen drei französischen Offizieren und einem jungen Deutschen, der auf der Brücke von einem Degenstich tödlich verletzt wurde. Der Großvater des Opfers ließ zum Gedenken ein zweites kleines Kreuz im Sockel des Grenzsteines einmeißeln.

um 1980 oder älter
um 1980 oder älter

Das kleine Kreuz (siehe roter Kringel) ist auf dem linken Foto - um 1980 oder älter - noch schemenhaft zu erkennen.

 

Heute ist davon leider nichts mehr zu sehen. Der empfindliche Sandstein zerfällt zusehends. Es ist wünschenswert, dass dieses Kleinod aus Münsters Geschichte restauriert wird.

2015 - heutiger Zustand
2015 - heutiger Zustand

Paradies am Dom

1964 entstanden vier Figuren aus Baumberger Sandstein: Karl der Große, Hl. Georg, Hl. Michael und Hl. Ludgerus. An prominenter Stelle sind sie am Eingang des Paradieses angebracht. Wie deutlich zu sehen ist, hat der weiche Stein unter den Witterungsverhältnissen der letzten 50 Jahre arg gelitten, so dass möglichst bald eine Restaurierung erfolgen sollte.

Karl der Große
Karl der Große
Hl. Georg
Hl. Georg
Hl. Michael
Hl. Michael
Hl. Ludgerus
Hl. Ludgerus

Hl. Paulus am Paulinum

Spökenkieker am Mühlenhof